Juli 2018: Ein Prosit auf das polizeilich verordnete Chaos

Bei feinstem Feine-Sahne-Fischfilet-Ferienwetter fanden sich über 150 Radfahrende am Fürstenplatz ein – die erste Zählung direkt nach dem Start ergab 152 Radfahrende, eine spätere fast 200.

Die Strecke führte diesmal nicht sehr weit – in den 15,3 km ging es, nicht nur der guten Luft wegen, mehrfach über und um die Corneliusstraße, über die Kö, um die Fahrradzählstelle am K.I.T. und dann wieder zurück zum Fürstenplatz, wo, genau wie im letzten Jahr, der ADFC mit einem Fässchen Altbier aufwartete und der Abend ausklang.

Ein großer Dank gilt allen Angereisten und Neuteilnehmern für die tolle Unterstützung, entschuldigen müssen wir uns aber für die Düsseldorfer Polizei. Es ist einfach so, dass viele der jeweils neu in Düsseldorf tätigen Polizisten noch nie etwas von der Critical Mass oder dem §27 StVO gehört haben. Diese neu in der Großstadt tätigen Polizisten wollen sich natürlich keine Fehler unterlaufen lassen und sind deshalb ein bisschen sehr eifrig. Der Vorwurf geht hier an deren Vorgesetzte, die ihre Untergebenen einfach etwas besser informieren müssen, auch wenn die annähernd 15minütige Beschallung mit Martinshorn etwas von kindlicher Trotzreaktion hatte …

Jupp Flassbeck hat deshalb einen offenen Brief an die Polizei geschrieben. Der gesamte Brief ist unter diesem Link im Blog veröffentlicht.

[…] Die Critical Mass wurde am Freitag den 13.7.2018 am Ende der Corneliusstraße von einer zufällig vorbeifahrenden Streife blockiert und die beteiligten Beamten guckten sich zwei vermeintliche Verantwortliche aus, deren Personalien sie dann aufnahmen. Der Vorfall ähnelt dem, von vor etwas mehr als einem Jahr, bei dem ebenfalls eine Streife am Worringer Platz versuchte, der Critical Mass die Weiterfahrt zu untersagen.

In beiden Fällen handelte es sich zum Teil um sehr junge Beamte, immer aber um Beamte die offenbar neu in Düsseldorf waren, noch nie von der Critical Mass gehört hatten und auch den §27 StVO nicht kannten. In beiden Fällen hatte ich den Eindruck, dass die jeweiligen Beamten, nach einer Rücksprache mit den zuständigen Fachgebietsleitern, die Freitagsabends schon im Feierabend sind, nach jeweils ca. 30 Minuten zurück gepfiffen wurden.

Die Frustration stand den Beamten von vor einem Jahr sichtbar ins Gesicht geschrieben. An dieser Stelle geht dann mein Vorwurf nicht so sehr an die beteiligten Beamten, sondern an deren Vorgesetzte, welche ihre Leute offenbar nicht ausreichend vorbereitet in die Freitagnacht schicken.

Der Widerspruch zwischen dem vermeintlichen Auftrag Ihrer Kollegen vor Ort und unserer, sich aus der Kenntnis der rechlichen Grundlagen und der offiziellen Politik der Stadt Düsseldorf ergebenden Einstellung gegenüber den Beamten vor Ort, hat dann dazu geführt, dass wir über mehr als 10 Minuten lang, recht unsouverän mit Martinshorn und Blaulicht begleitet wurden, auch wenn gar keine Notwendigkeit für eine Fahrt mit Sonderrechten gegeben war und selbst in dem Polizeifahrzeug sich eine Beamtin die Ohren zuhielt. Das Martinshorn hat die Kommunikation der Teilnehmer untereinander gestört und viele waren auch irritiert, weil wir es gewohnt sind, auf von hinten kommende Rettungs- und Einsatzfahrzeuge zu achten. […]

Vor der Critical Mass gab es noch die Gelegenheit, für die NRW-Volksinitiative Aufbruch Fahrrad zu unterschreiben. Auf der Website von Aufbruch Fahrrad findet ihr weitere Informationen und den Unterschriftenbogen. Eine Liste mit Sammelstellen, an denen ihr direkt Unterschreiben oder eure Bögen abgeben könnt, gibt es hier. Es werden auch noch Unterschriftensammler und Helfer gesucht. Meldet euch unter „Im Team Sein“ auf der Website von Aufbruch Fahrrad!

Noch ein Hinweis auf zwei Critical Mass in der näheren Nachbarschaft:

  • Neuss – 20.7. 18:30 Hamtorplatz
  • Mönchengladbach – 27.7. 19:00 Schillerplatz

Die nächste Düsseldorfer Critical Mass findet statt am 10. August, wie immer um 19 Uhr am Fürstenplatz

Bei Report-D ist ein Bericht erschienen.

Passt auf Euch auf, fahrt vorsichtig und kommt gut an!
-JF-
-DK-

Offener Brief an die Polizei Düsseldorf zu den Einsätzen im Juli 2018 und Juni 2017

Beschwerde im Zusammenhang mit Polizeieinsätzen gegen die Critical Mass Düsseldorf am 13. Juli 2018 und im Juni 2017

Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr,
hiermit beschwere ich mich über die unzureichende Vorbereitung und Information neuer Düsseldorfer Streifenpolizisten.

Zu meiner Person – ich bin weder ein offizieller Sprecher noch eine Art Repräsentant der Düsseldorfer Critical Mass, ich berichte jedoch über die Fahrten und schreibe mit dem Anspruch, das Lebensgefühl und die Einstellung der Teilnehmer nach Außen, gegebenenfalls auch gegenüber der Polizei zu kommunizieren. Ich bin kein Verantwortlicher, so etwas gibt es mangels entsprechender Hierarchien bei der Critical Mass nicht.

Diese Mail wird zeitgleich im Blog der Düsseldorfer Critical Mass veröffentlicht.

Die Critical Mass wurde am Freitag den 13.7.2018 am Ende der Corneliusstraße von einer zufällig vorbeifahrenden Streife blockiert und die beteiligten Beamten guckten sich zwei vermeintliche Verantwortliche aus, deren Personalien sie dann aufnahmen. Der Vorfall ähnelt dem, von vor etwas mehr als einem Jahr, bei dem ebenfalls eine Streife am Worringer Platz versuchte, der Critical Mass die Weiterfahrt zu untersagen. In beiden Fällen handelte es sich zum Teil um sehr junge Beamte, immer aber um Beamte die offenbar neu in Düsseldorf waren, noch nie von der Critical Mass gehört hatten und auch den §27 StVO nicht kannten.

In beiden Fällen hatte ich den Eindruck, dass die jeweiligen Beamten, nach einer Rücksprache mit den zuständigen Fachgebietsleitern, die Freitagsabends schon im Feierabend sind, nach jeweils ca. 30 Minuten zurück gepfiffen wurden. Die Frustration stand den Beamten von vor einem Jahr sichtbar ins Gesicht geschrieben. An dieser Stelle geht dann mein Vorwurf nicht so sehr an die beteiligten Beamten, sondern an deren Vorgesetzte, welche ihre Leute offenbar nicht ausreichend vorbereitet in die Freitagnacht schicken.

Beide Stopps der Critical Mass durch die Polizei, vor einem Jahr am Worringer Platz, als auch an diesem Freitag auf der Corneliusstraße, erfolgten an denkbar ungünstigen Stellen, welches beide Male zu Behinderungen des Verkehrs führte.

Die Critical Mass fährt sonst als geschlossener Block, ohne Lücken, und mit Absicherung der kreuzenden Straßen durch die Teilnehmer – das hat nach dem gestrigen Polizeieinsatz nicht mehr funktioniert, was dann auch zu einigen gefährlichen Situationen geführt hat. Der Polizeieinsatz hat dazu geführt, dass dies die chaotischste Critical Mass war, an der ich bislang teilgenommen habe.

Die Beamten waren von mir nicht ansprechbar, haben direkt unangemessen aggressiv auf meine sachliche Ansprache reagiert, ich musste einen Beamten darauf bescheiden sich zu beruhigen und bitte nicht so aggressiv zu agieren.

Der Widerspruch zwischen dem vermeintlichen Auftrag Ihrer Kollegen vor Ort und unserer, sich aus der Kenntnis der rechlichen Grundlagen und der offiziellen Politik der Stadt Düsseldorf ergebenden Einstellung gegenüber den Beamten vor Ort, hat dann dazu geführt, dass wir über mehr als 10 Minuten lang, recht unsouverän mit Martinshorn und Blaulicht begleitet wurden, auch wenn gar keine Notwendigkeit für eine Fahrt mit Sonderrechten gegeben war und selbst in dem Polizeifahrzeug sich eine Beamtin die Ohren zuhielt.

Das Martinshorn hat die Kommunikation der Teilnehmer untereinander gestört und viele waren auch irritiert, weil wir es gewohnt sind, auf von hinten kommende Rettungs- und Einsatzfahrzeuge zu achten. Das Blaulicht ist kein Spielzeug – es gibt nicht wenige Menschen mit Epilepsie da draußen, die von dem Licht einen Anfall bekommen können.

Die Stadt Düsseldorf wirbt auf ihrer Internetseite mit der Critical Mass Düsseldorf für den Standort Düsseldorf. Bei der Critical Mass in Wuppertal fahren 300 – 500 Teilnehmer, in Köln sind es auch schon einmal 1000. Wir hier in Düsseldorf haben selten mehr
als 100 Teilnehmer – gestern waren es fast 200, darunter viele die aus dem Umland für die Critical Mass nach Düsseldorf gekommen sind und auch viele die gestern zum ersten Mal dabei waren. Es hätte ohne den Polizeieinsatz eine schöne Tour werden können, aber unsere Stadt hat sich hier von einer denkbar schlechten Seite gezeigt, so dass ich mich schäme und im Blog die Angereisten und Neuteilnehmer um Entschuldigung bitten werde.

Wenn Sie neue Beamte auf die Düsseldorfer Straßen schicken – dann erklären Sie denen bitte, dass es so etwas wie die Critical Mass gibt.

Danke.

Mit freundlichen Grüßen
„Jupp Flassbeck“

2. Neusser Critical Mass – 45 Teilnehmer radeln frischweg gegen die plötzlich hereinbrechende Hitze

45 Teilnehmer, 22km, wetterfühliges Wetter, wohlwollende Uniformierte

Am Freitag, den 15. Juni fand die 2. Neusser Critical Mass statt. Es ging am Bahnhof vorbei, über die Batteriestraße, Hammer Landstr., Hammfelddamm, Alexianerplatz, Gnadental, durch Selikum, nach Weckhoven, zu einem Platz an dem vor zwei Jahren ein tödlicher Rechtsabbiegerunfall geschah und wo eine kleine Gedächtnisstätte zum Gedenken an die dort getötete Radfahrerin ist, dann ging es durch Reuschenberg zurück bis zum Konrad-Adenauer-Ring, weiter bis zur Rheydterstr., noch einmal am Bahnhof vorbei und über die Batteriestr. um dann über Friedrichstraße, Kaiser-Friedrich-Straße und Drususallee die Tour zu beenden.

Ein Besucher der Critical Mass aus dem Ruhrgebiet betonte wie schön es doch in Neuss sei … muss ich mal drüber nachdenken …

Der plötzliche Temperaturanstieg, zusammen mit der Feuchte der Luft machte nach eigenem Bekunden einigen der Teilnehmer an diesem Tag ein bisschen Probleme, so auch mir, am Ende der Tour ging es aber allen sichtbar gut beziehungsweise besser – Rad fahren hilft!

Die Polizei fuhr ohne viel Aufhebens einfach mal hinterher und es fand nach Ende der Tour bessere Kommunikation statt als bei dem letzten Mal.

Es bedarf jetzt aber einiger Anstrengungen, dass sich der Trend nach unten bei den Teilnehmerzahlen nicht fortsetzt und damit sich bei der nächsten Neusser Critical Mass, am 20.7. um 18:30(!) wieder ein paar mehr Teilnehmer am Hamtorplatz treffen.

Also weitersagen: Critical Mass Neuss, 20.7. 18:30 Hamtorplatz

-JF-

Juni 2018: 80 Radfahrer rollen entspannt durch das Dorf

77 Teilnehmer trafen sich am Fürstenwall, um in der von den Sommerunwettern gereinigten Luft, in der die Hitze dem Dunst gewichen war, entspannt durch Düsseldorf zu rollen. Während der Tour erhielten wir spontane Verstärkung durch eine junge Radfahrerin, die einfach mal mitfuhr und durch zwei Heranwachsende, denen es sichtlich Vergnügen bereitete ein Feld von über 70 Erwachsenen anzuführen, so dass wir mit 80 oder mehr Teilnehmern unterwegs waren.

Es ging auf einer Strecke von 18,5km, während anderthalb Stunden zum Fahrradbarometer, über die Kö, über die Karlstraße, durch Flingern, Richtung Grafenberg, über Düsseltal, Flingern und wieder zurück zum Fürstenwall.

Termine im Juni:

  • 15. Juni 2018 18 Uhr – Critical Mass Neuss, Hamtorplatz
  • 17. Juni 2018 14 Uhr – 10. Sternfahrt Köln, Heumarkt
  • 22. Juni 2018 18 Uhr – 3. Critical Mass NRW (Duisburg)
  • 29. Juni 2018 18:30 Uhr – Critical Mass Mönchengladbach, Schillerplatz

Die nächste Düsseldorfer Critical Mass findet statt am 13. Juli, wie immer um 19 Uhr am Fürstenplatz.
Passt auf Euch auf, fahrt vorsichtig und kommt gut an!
-JF-

CM Neuss: Radeln im Grenzbereich zwischen Anarchismus, Anarchie und Dimpfelmosertum

Ein Gastbeitrag von Jupp Flassbeck, der ursprünglich als Kommentar gepostet wurde und mit freundlichem Einverständnis als Beitrag erscheint.

Die seltsame Entstehung der Neusser Critical Mass

Als regelmässiger Teilnehmer und Berichterstatter der Düsseldorfer Critical Mass, wurde ich immer wieder mal gefragt, ob es denn so was auch in Neuss gibt oder was denn die Neusser Critical Mass macht. Es gab in der Vergangenheit schon einmal einen Versuch eine Critical Mass in Neuss stattfinden zu lassen, diese hat sich aber nicht etabliert. Im Januar las ich dann im Onlineauftritt der NGZ (Link) von einer Critical Mass, in Neuss, im Mai.

Die Kommentare waren bereits vier Monate vor dem Ereignis gezeichnet von weitgehender Unkenntnis, negativer Voreingenommenheit und einer tumben Stammtischmentalität. Ich habe mich bemüht etwas sachliche Informationen über die Critical Mass zu vermitteln. Die Aussage der Polizesprecherin, dass „nach Erkenntnissen der Polizei die Gruppierung Critcal Mass bislang im Rheinkreis Neuss nicht in Erscheinung getreten ist“ zeugt von einer gewissen Unbedarftheit und dem grundsätzlichen Problem das die Polizei mit der Critical Mass hat, dazu später mehr.

Als Quelle für den Termin wurde eine Facebookseite Critical Mass Neuss Mai 2018 genannt und das dort bereits die Termine für die nächsten zwölf Monate angeführt sind. Den Gepflogenheiten der anderen Critical Mass entsprechend findet die Neusser Critical Mass regelmässig an einem bestimmten Freitag im Monat statt. Die Kölner fahren am letzten Freitag im Monat, die Wuppertaler am ersten, die Düsseldorfer am zweiten und Solinger und Neusser am dritten Freitag im Monat, hier raus ergeben sich die Termine die natürlich für das kommende Jahr, ja sogar für die nächsten 10000 Jahre feststehen.

Da ich selbst nicht bei Facebook bin – Facebook rangiert bei mir in etwa auf gleichem Niveau wie Nordkorea – habe ich diese Quelle der NGZ nicht überprüfen können. Im Blog der Düsseldorfer Critical Mass bzw. in den Kommentaren habe ich dann auf den NGZ-Beitrag und die in den Kommentaren Platz greifende Diskussion verwiesen. In späteren Blogbeiträgen wurde auch noch zweimal auf den Termin am 18. Mai hingewiesen und bei der letzten Düsseldorfer Critical Mass sagten viele bereits ihre Teilnahme zu.

Zu Beginn der Woche erreichten mich dann aber auch Aussagen wie: „Du – bei facebook finde ich aber nix“, „es gibt da nur die Seite, da passiert aber nix“, worauf ich einmal die Googlesuche bemühte. Google führt eine entsprechende Facebook-Seite „Critical Mass Neuss Mai 2018″ gar nicht auf. Die als erste dort aufgeführte Seite ist der NGZ-Online-Artikel und danach die Hinweise auf die Veranstaltung in dem Blog der Düsseldorfer Critical Mass.

An diesem Punkt musste ich doch schmunzeln – ist es möglich dass die Neusser Critical Mass ihre Enstehung der gelungenen Schnapsidee eines Zeitungsredakteurs verdankt? Eine Facebookseite, ein Artikel und mal schauen was passiert? Eine Art Hommingberger Gepardenforelle???

74 marodierende Fahrrad-Unholde-Innen fallen wie die Heuschrecken über das arme Neuss her

Nein – so war es natürlich nicht. Es ging sehr gesittet zu, wenn die Fahrt auch ohne Anwesenheit der Polizei oder etwas angemessenerem Engagement weniger chaotisch verlaufen wäre. An einigen Stellen wurde die Grenze zwischen Herrschaftslosigkeit (Anarchismus) und Ordnungslosigkeit (Anarchie) deutlich überschritten, was aber angesichts einer Premiere und des Umstandes, dass die, die das Feld hätten führen können, dies nach dem Auftreten der Polizei nicht mehr wollten, verständlich ist.

Unter den 74 Teilnehmern waren viele Freunde von anderen Critical Mass aus Bochum, Köln, Wuppertal, Mönchengladbach und Düsseldorf, die zum Teil eine etwas längere Anreise hatten – all diesen noch einmal ein besonderes Dankeschön für das Gelingen dieser ersten Neusser Critical Mass. Es ging in einer Stunde und zwanzig Minuten knapp 20km durch Neuss – über die Drususallee, Michaelstraße, am Hafenbecken 1 und am Bahnhof vorbei, die Furth hoch und zurück ein Stück des Konrad-Adenauer-Rings, dann am Nordkanal entlang, da sich einige Teilnehmer gerne der Polizeibegleitung entledigt hätten, worauf wir auf dem Rest der Strecke noch von einem zivilen Fahrzeug der Polizei (KR-XP-xxxx) begleitet wurden, es ging dann über Rheydterstraße und Schorlemerstr. zur Jülicher, nicht zuletzt um die Polizei wieder zu Hause abzuliefern, anschließend besuchte das Feld noch Reuschenberg um von dort zurück zum Hamtorplatz zu fahren.

Da Freitag abends die Straßen sehr leer sind, kam es zu keinen nennswerten Behinderungen, es gab bei der Absicherung des Feldes keine Konfliktsituationen mit Autofahrern – die Reaktion der anderen Verkehrsteilnehmer und der Bevölkerung war durchgehend zustimmend.

Mein Fazit: eine gelungene erste Critical Mass, wenn auch mit Verbesserungspotential. Bei der nächsten Neusser Critical Mass, am 15. Juni wird sich zeigen wie es weiter geht – 50 oder 100 Teilnehmer? Polizisten auf Fahrrädern oder gar keine?

Schützen wir die Polizei!

„Schützen wir die Polizei, vor Verdruss und Schererei“ – Georg Kreisler

An dieser Stelle muss ich noch einmal betonen dass ich nicht die Neusser Critical Mass bin oder deren Sprecher, auch Herr Adamsky oder der ADFC sind nicht die Critical Mass oder der Veranstalter.
Mein Anspruch ist es mit meinen Tourenberichten gegenüber der interessierten Öffentlichkeit oder der Polizei die allgemeine Stimmung, den Aktionskonsens zu vertreten.
Wenn ich dabei, wie am Freitag geschehen, auf den vor Ort anwesenden Polizisten zu gehe, um ihm zu vermitteln unter welchen Vorzeichen wir fahren, dann bin ich einer der ganz wenigen im Feld der überhaupt noch versucht mit der Polizei zu kommunizieren.

Eingedenk der Worte der Polizeisprecherin, welche die Critical Mass in die Nähe einer Motorradgang rückte, schwante mir bereits Böses als ich bei meinem Eintreffen den Neusser ADFC-Aktivist Adamsky mit zwei Polizeibeamten im Gespräch sah. Da Herr Adamsky bekannt ist, musste er vor Ort als Ansprechpartner und Sündenbock herhalten, wenn gleich er für das Unterfangen der Polizei, Anmelder und Route festzulegen, gar nicht der richtige Ansprechpartner war. Ich habe mich dann zu seiner Entlastung bemüht, die eher fruchtlose Kommunikation mit dem Beamten zu führen.

Es kam ein grundsätzliches Problem zu Tage, das Ordnungshüter in aller Welt mit der Critical Mass haben – nach unserer Definition gibt es bei der Critical Mass keinen Anmelder, keine hierarchischen Strukturen und auch keine vorgegebene Strecke. Das ist in Seattle so, in Kapstadt, Osaka, London, Oslo, Düsseldorf oder Solingen und das wird auch ein Polizeiobermeister(?) Zillikens(?) in Neuss nicht ändern – und während er mit mir darüber aneinander vorbei redet, starten andere Mitfahrer bereits.
Meine Intention war, dass der Beamte vor Ort versteht, dass wir nach diesen Regeln fahren, auch um ihn vor dem Verdruss zu bewahren – das hat leider nicht ganz geklappt.

Der vor Ort agierende Beamte schien mir eher hehre und abstrakte Ordnungsprinzipien durchsetzen zu wollen, als angemessen auf irgendeine konkrete Gefährdungslage zu reagieren. Wollte die Polizei gegenüber jedem Bürger zu jeder Zeit hehre und abstrakte Ordnungsprinzipien durchsetzen, es wären auf zwei Bürger fünf Polizisten nötig und wir hätten den Polizeistaat, vor dem überall und ikonografisch bereits ein Graffiti warnt. An einem Freitag Abend hat die Polizei sicher auch wichtigere Aufgaben als Radler zu eskotieren, die sich auch selbst schützen können. Im Gegenzug und im Rahmen der Gleichbehandlung könnten dann ja auch Radsportvereine oder Gruppen von Freizeitradlern eine Polizeieskorte verlangen.

Hätte es am Anfang nicht diese Diskussion gegeben, Herr Adamsky und ich hätten uns an die Spitze des Feldes gesetzt und dieses -etwas strukturierter, aber auch inklusive spontaner Richtungsänderungen- durch Neuss geführt.

Die Provokation über den Polizeiparkplatz zu fahren fand ich nicht gut, ich lasse die Critical Mass dann aber auch nicht allein. Es war aber auch deshalb schon Blödsinn, weil es da keine Ausfahrt gibt (an dieser Stelle die Frage an die Polizei, warum es auf Höhe des Eingangs zum Neusser Polizeipräsidium auf dem Parkplatz keine abgesenkte Bordsteinkante gibt, damit dort nicht nur Rad- sondern auch Rollstuhlfahrer den Bürgersteig oder Radweg gut erreichen können?).

Auf den von dem Beamten geäußerten Kritikpunkt, dass wir nicht konsequent in Zweierreihen gefahren sind, habe ich direkt mehrere Antworten – der §27 auf den wir uns berufen, entstammt ja dem militärischen Umfeld, abzulesen an dem bemerkenswerten letzten Absatz: „(6) Auf Brücken darf nicht im Gleichschritt marschiert werden.“. Jetzt ist es aber so, dass wir ja alle sehr undisziplinierte Zivilisten sind, ein Fahrrad nun mal keine gerade Linie fährt und ab einer bestimmten Anzahl das Feld einfach ausflockt.
Andererseits gibt es Schnellfahrstrecken auf denen wir bewusst beide Spuren belegen, um zu verhindern, dass uns PKW zu schnell und zu dicht passieren, eine solche Stelle ist in Düsseldorf die Oberkassler Brücke. Bei der Neusser Critical Mass haben aber auch die offenbar Kolonnenfahrt-erprobten Beamten im Bulli für uns die linke Spur dicht gemacht, was mir gefiel und weshalb ich denen auch einmal Daumen hoch gezeigt habe.
Überhaupt machten die Beamten im Bulli einen etwas entspannteren und freudigeren Eindruck als der Herr, der das Ganze geleitet hat.
Bei dem zum Teil aus dem anarchistischem und linken Spektrum stammenden Teilnehmern der Critical Mass sorgen dann Zivilfahrzeuge der Polizei, einmal erkannt, für ein großes Hallo, so wie auch am Freitag geschehen.

Es freut mich zwar, dass der Einsatzleiter meinen Dank für die fürsorgliche Begleitung noch annahm, es war aber recht unsouverän meinen Hinweis auf die Vorgehensweise seiner Kölner Kollegen mit einem Wortschwall, um mich ja nicht zu Wort kommen zu lassen und anschließendem Hochkurbeln des Autofensters zu beantworten – das war eine Trotzreaktion wie von einem kleinen Kind – „Ich will das nicht hören, ich halt mir jetzt die Ohren zu“.
Schade – dabei wollte ich den Mann doch vor Verdruss schützen, ich hätte dem sogar ein Fahrrad zum Mitradeln organisiert …