Offener Brief an die Polizei Düsseldorf zu den Einsätzen im Juli 2018 und Juni 2017

Beschwerde im Zusammenhang mit Polizeieinsätzen gegen die Critical Mass Düsseldorf am 13. Juli 2018 und im Juni 2017

Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr,
hiermit beschwere ich mich über die unzureichende Vorbereitung und Information neuer Düsseldorfer Streifenpolizisten.

Zu meiner Person – ich bin weder ein offizieller Sprecher noch eine Art Repräsentant der Düsseldorfer Critical Mass, ich berichte jedoch über die Fahrten und schreibe mit dem Anspruch, das Lebensgefühl und die Einstellung der Teilnehmer nach Außen, gegebenenfalls auch gegenüber der Polizei zu kommunizieren. Ich bin kein Verantwortlicher, so etwas gibt es mangels entsprechender Hierarchien bei der Critical Mass nicht.

Diese Mail wird zeitgleich im Blog der Düsseldorfer Critical Mass veröffentlicht.

Die Critical Mass wurde am Freitag den 13.7.2018 am Ende der Corneliusstraße von einer zufällig vorbeifahrenden Streife blockiert und die beteiligten Beamten guckten sich zwei vermeintliche Verantwortliche aus, deren Personalien sie dann aufnahmen. Der Vorfall ähnelt dem, von vor etwas mehr als einem Jahr, bei dem ebenfalls eine Streife am Worringer Platz versuchte, der Critical Mass die Weiterfahrt zu untersagen. In beiden Fällen handelte es sich zum Teil um sehr junge Beamte, immer aber um Beamte die offenbar neu in Düsseldorf waren, noch nie von der Critical Mass gehört hatten und auch den §27 StVO nicht kannten.

In beiden Fällen hatte ich den Eindruck, dass die jeweiligen Beamten, nach einer Rücksprache mit den zuständigen Fachgebietsleitern, die Freitagsabends schon im Feierabend sind, nach jeweils ca. 30 Minuten zurück gepfiffen wurden. Die Frustration stand den Beamten von vor einem Jahr sichtbar ins Gesicht geschrieben. An dieser Stelle geht dann mein Vorwurf nicht so sehr an die beteiligten Beamten, sondern an deren Vorgesetzte, welche ihre Leute offenbar nicht ausreichend vorbereitet in die Freitagnacht schicken.

Beide Stopps der Critical Mass durch die Polizei, vor einem Jahr am Worringer Platz, als auch an diesem Freitag auf der Corneliusstraße, erfolgten an denkbar ungünstigen Stellen, welches beide Male zu Behinderungen des Verkehrs führte.

Die Critical Mass fährt sonst als geschlossener Block, ohne Lücken, und mit Absicherung der kreuzenden Straßen durch die Teilnehmer – das hat nach dem gestrigen Polizeieinsatz nicht mehr funktioniert, was dann auch zu einigen gefährlichen Situationen geführt hat. Der Polizeieinsatz hat dazu geführt, dass dies die chaotischste Critical Mass war, an der ich bislang teilgenommen habe.

Die Beamten waren von mir nicht ansprechbar, haben direkt unangemessen aggressiv auf meine sachliche Ansprache reagiert, ich musste einen Beamten darauf bescheiden sich zu beruhigen und bitte nicht so aggressiv zu agieren.

Der Widerspruch zwischen dem vermeintlichen Auftrag Ihrer Kollegen vor Ort und unserer, sich aus der Kenntnis der rechlichen Grundlagen und der offiziellen Politik der Stadt Düsseldorf ergebenden Einstellung gegenüber den Beamten vor Ort, hat dann dazu geführt, dass wir über mehr als 10 Minuten lang, recht unsouverän mit Martinshorn und Blaulicht begleitet wurden, auch wenn gar keine Notwendigkeit für eine Fahrt mit Sonderrechten gegeben war und selbst in dem Polizeifahrzeug sich eine Beamtin die Ohren zuhielt.

Das Martinshorn hat die Kommunikation der Teilnehmer untereinander gestört und viele waren auch irritiert, weil wir es gewohnt sind, auf von hinten kommende Rettungs- und Einsatzfahrzeuge zu achten. Das Blaulicht ist kein Spielzeug – es gibt nicht wenige Menschen mit Epilepsie da draußen, die von dem Licht einen Anfall bekommen können.

Die Stadt Düsseldorf wirbt auf ihrer Internetseite mit der Critical Mass Düsseldorf für den Standort Düsseldorf. Bei der Critical Mass in Wuppertal fahren 300 – 500 Teilnehmer, in Köln sind es auch schon einmal 1000. Wir hier in Düsseldorf haben selten mehr
als 100 Teilnehmer – gestern waren es fast 200, darunter viele die aus dem Umland für die Critical Mass nach Düsseldorf gekommen sind und auch viele die gestern zum ersten Mal dabei waren. Es hätte ohne den Polizeieinsatz eine schöne Tour werden können, aber unsere Stadt hat sich hier von einer denkbar schlechten Seite gezeigt, so dass ich mich schäme und im Blog die Angereisten und Neuteilnehmer um Entschuldigung bitten werde.

Wenn Sie neue Beamte auf die Düsseldorfer Straßen schicken – dann erklären Sie denen bitte, dass es so etwas wie die Critical Mass gibt.

Danke.

Mit freundlichen Grüßen
„Jupp Flassbeck“


1 Antwort auf „Offener Brief an die Polizei Düsseldorf zu den Einsätzen im Juli 2018 und Juni 2017“


  1. 1 Peter Pedal 17. Juli 2018 um 14:04 Uhr

    Prima, Jupp,

    bin gespannt,ob die Bollzei über die nichtssagenden Halbwahrheiten bis hin zu schlicht falschen Leerfloskeln der Pressestelle hinaus

    https://www.waz.de/staedte/duesseldorf/aerger-ueber-polizei-bei-critical-mass-demo-in-duesseldorf-id214855293.html

    sich möglicherweise auch inhaltlich einmal seriös zu dem skandalösen Verhalten ihrer inzwischen wohl völlig ausgerasteten Sheriffs zu äußern gedenkt.

    Peter Pedal

    „Du bist immer mit dabei, Norbert.“:
    https://twitter.com/CMCologne

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